Die Fitness-Szene
14.10.09 Körperbilder, Werte und Einstellungen in der Fitness-Szene
Die Fitness-Szene hat sich im Laufe der letzten Jahre zur größten Jugendszene in Deutschland entwickelt. 24 Prozent der jungen Deutschen zwischen 11 und 39 Jahren fühlen sich dieser Szene zugehörig, im Alterssegment der 20- bis 29jährigen sind es sogar 30 Prozent. Dabei sind die Männer leicht überrepräsentiert, 27 Prozent von ihnen geben an, dazuzugehören – bei den Frauen sind es immerhin 21 Prozent. Damit ist sie sowohl unter den Männern als auch unter den Frauen die wichtigste Szene. Die hohe Relevanz dieser Szene wird nicht nur darin deutlich, dass sich ihr viele Menschen zugehörig fühlen, sondern auch darin, dass sie die momentan angesagteste Szene ist: fast 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie gerade besonders „in“ ist. Warum ist nun diese Szene gegenwärtig besonders stilprägend?
Wegweisende Körperbilder
Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Jungsein (sei es körperlich oder auch „jung im Geiste“) einen höheren Stellenwert einnimmt als jemals zuvor. Die Eigenschaften, die seit jeher mit Jugendlichkeit assoziiert werden: Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit, Flexibilität, das alles sind Qualitäten, die in der modernen Leistungsgesellschaft höher geschätzt werden als die eher mit dem Alter verbundenen Konzepte wie Weisheit oder Lebenserfahrung. Und was symbolisiert diese Werte besser als ein im Fitnesscenter durchtrainierter Körper? Dieser ist nämlich längst nicht mehr nur ein Merkmal von Attraktivität im engeren (physischen) Sinne, sondern zeigt, dass man den Anforderungen des modernen Lebens bestens gewachsen, also auch attraktiv für den Arbeitsmarkt ist. Aber repräsentieren die Angehörigen der Fitness-Szene tatsächlich die neue Leistungselite? Ein Blick auf die in dieser Szene dominierenden Wertehaltungen bestätigt diese Theorie.
Materialismus als vorherrschende Ideologie
Bei einer tiefgehende Analyse der Daten der 15. Welle der Jugendstudie TIMESCOUT wird deutlich, dass die Fitness-Szene von einer pragmatisch-materialistischen Grundhaltung geprägt ist. So geben die Angehörigen dieser Gruppe nicht nur deutlich mehr Geld für die Sportausübung aus, sie legen auch überdurchschnittlich viel auf die Seite, um auch in schlechteren Tagen nicht auf ihren hohen Lebensstandard verzichten zu müssen. Auch ein Blick auf die hier dominanten Wertehaltungen zeigt, dass materialistische Einstellungsmuster hier besonders stark vertreten sind: Geld, Beruf, Karriere, gutes Aussehen aber auch die Ausbildung als Karrieregarantie, das alles sind Aspekte, die hier deutlich stärker betont werden als in anderen Jugendszenen. Als Statussymbole dienen hier vor allem materielle Werte wie Markenklamotten, während immaterielle, kulturelle Güter hier weniger stark als Mittel zur Distinktion dienen. Ein Blick auf den Musikgeschmack der Fitness-Szene zeigt, dass hier eher Musik von innerhalb des Mainstreams gehört wird: HipHop, R’n’B, Rock und Pop gehören zu den bevorzugten Genres. Auffällig ist, dass die weiblichen Angehörigen der Fitness-Szene deutlich weniger Bücher lesen als der Durchschnitt. Auch hier zeigt sich ein verhältnismäßig geringes Interesse an den eher an Selbstverwirklichung interessierten postmaterialistischen jungen Menschen.
An dieser Stelle bringen wir einen wöchentlichen Einblick in die vier wichtigsten Jugendszenen Fitness, Computer, HipHop und House, . Wenn Sie über unseren Newsletter immer auf dem neuesten Stand bleiben wollen, klicken Sie bitte hier... .
Fotocredits: "Maria Buchholz" / www.jugendfotos.de
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