Die Jugend in der Krise

Die Jugend in der Krise

19.03.09 Weniger frei verfügbares Einkommen.


Die ökonomische Krise hat die Jugend erreicht. Das zeigen die aktuellen Daten der österreichischen Jugendstudie „TIMESCOUT“. Erste deutliche Anzeichen eines neuen jugendlichen Krisenbewusstseins: Die Jugend gibt weniger Geld für Ausgehen, alkoholische Getränke und Zigaretten aus. Im Gegensatz dazu wird mehr gespart. Zudem zeigt sich, dass große Teil der Jugend heute weniger Geld im Monat zur Verfügung haben als noch vor einem Jahr. Besonders die 20- bis 29-jährigen, also die jungen Erwachsenen, sind vom Einkommensrückgang betroffen. Um bis zu 50 Euro reduziert sich in dieser Gruppe das monatlich frei verfügbare Einkommen.

Rebellion der Unterschichten
Parallel zur ökonomischen Krise zeigen sich auch erste Anzeichen für eine Rebellion der unteren sozialen Schichten. Diese Rebellion ereignet sich auf einer ästhetischen, lebensstilistischen Ebene. Jugendliche aus sozialen Randgruppen und mit Migrationshintergrund eignen sich modische Symbole und Accessoires der mittleren und oberen Sozialschichten an und inszenieren sich öffentlich mit ihnen. Damit wollen sie zeigen, dass sie nicht mehr länger bereit sind, auf die materiellen Angebote und Versprechen der Marktgesellschaft zu verzichten. Typisch für diese kulturelle Rebellion sind neben Teilen der HipHop-Szene die Krocha, die man in Deutschland oder Frankreich auch Tecktonics nennt. Insgesamt betrachtet stellen sowohl HipHop- als auch Tecktonic-Szene vitale, aktive, lebensbejahende Jugendkulturen dar. Im Gegensatz dazu zeigen sich bei den Mittelschichtjugendlichen deutlich resignative Tendenzen, die auf kultureller Ebene z.B. durch den Emo-Style zum Ausdruck kommen. Die Emos symbolisieren damit auch die Abstiegsängste der Mittelschichtsjugend, bei der viele nicht mehr sicher sind, ob sie den Lebensstandard ihrer Eltern einmal halten werden können. Während damit die Jugendkulturen der Mittelschichten in einer melancholischen Grundstimmung verharren, zeigen sich die Kulturen der Unterschichten aggressiv, angriffig, körperlich vital und durchsetzungsfreudig.

Körperkult weitet sich aus
Nachdem die Krise die Jugend verunsichert und die Möglichkeit, in die Gesellschaft gestaltend einzugreifen, beschränkt, richten sich als Folge davon große Teile der Gestaltungsenergie der Jugend auf den eigenen Körper. Für Körper und körperästhetische Praxen wird ein großer Teil der verfügbaren Geldmittel ausgegeben. Piercings und Tattoos bleiben weiter angesagt. Kosmetik spielt auch für Jungs eine immer größere Rolle. Zudem steigt auch das Gesundheitsbewusstsein der Jugendlichen. Vor allem die jungen Frauen geben deutlich weniger Geld für körperschädigende Praktiken (Alkohol, Rauchen) aus.

Clubszenen stehen vor einem neuen Boom
Elektronische Musik, Techno und Drum&Bass zeigen neue Höchstwerte was die Sympathie anbelangt. Die Jugendlichen gehen zwar weniger aus, aber wenn sie ausgehen, zeigt sich eine starke Tendenz, die Ausgehzeit in Clubs zu verbringen, in denen sich die so genannte „Club-Culture“ ereignet. Zudem wird elektronische Musik häufig bei der Computernutzung gehört, weil sie sich aufgrund ihres Ambientcharakters gut als Hintergrundgestaltung bei der Crossmedia-Nutzung eignet.

Internet als Leitmedium der Jugendkultur
Mehr denn je ist heute das Internet das Leitmedium der Jugendkultur. Damit ist das Internet neben der ökonomischen Krise der zweite starke Einflussfaktor, der restriktiv auf die Ausgehzeiten der Jugend wirkt. Die Mediennutzung findet heute in der Regel als Cross-Media-Nutzung statt. Das bedeutet, dass verschiedene Medien parallel genutzt werden. Die drei wichtigsten Medien sind Internet, Free-TV und Radio. Radio gewinnt zunehmend an Bedeutung bei den bildungsnahen Schichten und bei den jungen Frauen. Im Internet werden primär Wikis, Videoseiten und Onlinecommunitys genutzt. Im Bereich des Free-TV verliert der ORF unter den österreichischen Jugendlichen weiter an Boden und liegt deutlich hinter dem deutschen Privatsender Pro7.


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